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Kriege, Endzeitschlachten und Weltuntergänge im Lamaismus

 

Verhältnis des XIV. Dalai Lama

zur Religiösen Rechten Indiens

 

Die apokalyptische Shambhala Vision und der dort als Militanter Messias auftretende Rudra Chakrin („Rasender Raddreher“) sind eindeutig eine buddhistische Variante des im Vishnu Purana verherrlichten Endzeiträchers Kalki/Vishnu. Auch der indische Erlöser wurde wie sein buddhistisches Pendant an einem Ort geboren, der den Namen „Shambhala“ trägt, er reitet während der Endschlacht ebenfalls auf einem Schimmel, beide setzen „Rotationswaffen“ gegen ihre Feinde ein. Rudra Chakrin stammt aus der Dynastie der Kalki Könige und trägt deswegen auch den Beinamen „Kalki“. Es besteht unter den westlichen Experten Einigkeit darüber, dass der Vishnu Purana die Shambhala Vision beeinflusst hat. „Die Kalachakra Eschatologie ist klar und eindeutig eine Adaption des puranischen Kalki-Epos und –Mythos.“ – schreibt der amerikanische Übersetzer des Kalachakra-Tantra, John Ronald Newman. (1) Auch von tibetischen Kommentatoren wird explizit betont, Rudra Chakrin habe den Namen Vishnu/Kalki angenommen. (2) Im Originaltext des Tantras sind acht Inkarnationen des Vishnu als die Vorläufer des Rudra Chakrin genannt, darunter auch der Gott Krishna. (3)

 

Die Kalachakra-Prophezeiung sagt weiterhin die gute Kooperation des Shambhala-Königs mit den indischen Göttern und Armeeführern voraus. Man erfährt, dass die Endschlacht gegen die Muslime von einer buddhistisch-hinduistischen Armee unter dem Kommando Rudra Chakrins geschlagen wird. Diese prophezeite Waffenbrüderschaft ist heute schon vorgeprägt. Indien kennt und schätzt offensichtlich einen anderen Dalai Lama als der Westen.

 

Nachdem der Religionsführer während des von ihm durchgeführten Kalachakra Rituals 2003 in Bodhgaya in die Kritik neo-buddhistischer Mönche, Anhänger des Kastengegners Dr. Babasaheb Ambedkar, geraten war, nahm ihn die nationale Presse seines Asyllandes in Schutz. Aber keineswegs deswegen, weil er friedfertig sei, sondern im Gegenteil, wegen seines persönlichen Engagements für Militäreinsätze, in die Indien verwickelt war und an denen auch tibetisch-buddhistische Soldaten beteiligt waren. Genannt wurden neben der oben erwähnten Schlacht von Kargil die Kämpfe in den Chittagong Hill Tracts (Bangladesh). Dort agierte bis 1997 die buddhistische Guerilla Bewegung Shanti Bahini. Eingedenk dieses Supports kommt der französische Tibetologe Claude Arpi zu dem Schluss: „Während [der Dalai Lama] aktiv die buddhistischen Lehren praktiziert, hat er immer an der Seite Indiens gestanden, sogar wenn er deswegen seine eigenen Prinzipien aufgeben musste. Ist das nicht der Ausdruck höchster Liebe für seine Wahlheimat?“ 1998 unterstütze er sogar die Atomtests der Inder. Wir kommen in einem späteren Kapitel darauf zurück. Arpi weiß eine solche Haltung zu schätzen: „Dass der Dalai Lama Indiens Standpunkt verstand, während dieser vom Rest der Welt verdammt wurde, und gerade weil er diametral im Gegensatz zu seinen tieferen Glaubensvorstellungen steht, zeigt das Kaliber dieses Mannes, der Indiens stets als Aryabhumi [heiliges Land, aber auch Land der Arier]  bezeichnet und der Tibet zu einem Kind Indiens erklärt hat.“ (4) Auch David Frawley, engagierter westlicher Propagandist der Hindutva vom American Institue of Vedic Studies, lobt den tibetischen Religionsführer: „Der Dalai Lama selbst hat Indiens Nuklear Tests unterstützt. Ebenso Indiens Verteidigung im Kargil Krieg von Kaschmir und die Kritik an der christlichen Missionsarbeit, die von indischen Gurus gemacht wurde.“ (5)

                                              

Auf der anderen Seite debattiert die Religiöse Rechte in Indien mit großem Engagement die Frage, ob die Anhänger Buddhas überhaupt zur Hindutva zählen. In dieser Debatte hat sich weitgehend die Meinung durchgesetzt, der Buddhismus sei (im Gegensatz zu den drei semitischen Religionen) eine der vielen Ausdrucksformen der indo-arischen Zivilisation. (6) Dabei genießt der tibetische Buddhismus eine weit größere Akzeptanz als der engagierte Neo-Buddhismus des Dr. Babasaheb Ambedkar, der sich explizit gegen das indische Kastensystem richtet, welches in der Hindutva viele Fürsprecher hat. (7) Ambedkars Anhänger stehen denn auch dem Dalai Lama kritisch gegenüber und bezeichnen ihn pejorativ als „buddhistischen Brahmanen“. (8)

 

Ganz in diesem Sinne wird der tibetische Religionsführer von Hindu-Fundamentalisten als einer der ihren angesehen, während Ambedkar und die meist kastelosen Neo-Buddhisten als Häretiker nicht zur Gemeinschaft der Hindutva zählen. „Im Gegensatz zum Dalai Lama, der die Nähe von Hinduismus und Buddhismus vor seinen indischen Gastgebern betont, hat der Buddhismus der Ambedkariten die Tendenz offen anti-Hindu zu sein und die Trennung des Buddhismus [von der Hindutva] zu betonen.“ – schreibt der Hindu Ideologe Koenraad Elst. (9) Das bestätigt auch der Frankfurter Religionswissenschaftler Edmund Weber: Während „indische Neo-Buddhisten die Hindus mit äußerster Heftigkeit angreifen, hat der Dalai Lama erkannt, dass beide Religionen im Wesen, im Bharatiya Dharma, eins sind und er und seine tibetischen Buddhisten daher reine und unerschütterliche Solidarität nur von den bewussten Hindus erwarten können.“ (10)

 

In der Religiösen Rechten Indiens diskutiert man heute offen über eine militärische „Interessengemeinschaft zwischen Hindus und Buddhisten gegenüber einer dritten Partei, sprich: dem Islam“. (11) Drei Grenzgebiete werden genannt, in denen sich die Anhänger Mohammeds und Buddhas jetzt schon feindlich gegenüberstünden und die für die zukünftigen großen Schlachten mit dem Islam von strategischer Bedeutung seien. Im schon erwähnten Chittagong Hill Massiv von Bangladesh, wo muslimische Siedler unterstützt von der islamischen Regierung, den Buddhisten das Land wegnehmen sollen. Im Nordosten Indiens, wo Buddhisten mit illegalen, muslimischen Immigranten in Konflikt geraten sind und in Kaschmir (Kargil), wo die buddhistische Minderheit durch die islamische Bevölkerung nicht nur militärisch, sondern wegen der vielen Mischehen auch ethnographisch bedroht werde.

 

Als sehr eng und herzlich gelten die Kontakte des XIV. Dalai Lama zu Persönlichkeiten der faschistoiden indischen BJP (Bharatiya Janata Party) und deren paramilitärisch geschulten Kadertruppe RSS (Rashtriya Swayamsevak Sangh). (12) Der Welt-Hindu-Rat (VHP – Vishwa Hindu Parishad), der gegenüber dem Islam und dem Christentum extrem aggressive Positionen vertritt, wurde von dem tibetischen Religionsführer 1964 mitgegründet. 1979 nahm er führend an dem zweiten Welt Hindi Kongress des VHP in Pravag Allahabad teil. „Die konkrete Gestaltung dieser Beziehung“ – schreibt der Frankfurter Religionswissenschaftler Edmund Weber – „beschränkt der Dalai Lama keineswegs auf akademische Äußerungen, sondern sie zeichnet sich durch religiöse Teilnahme und oft genug auch durch politisch hochbrisantes Engagement aus.“ (13)

 

Hindu holy men in New Delhi, India, 29 August, 2008

Gurus auf einer Demonstration des radikalen Vishwa Hindu Parihad

 

Auch an vielen anderen Sangh Parivar Veranstaltungen, also an Treffen der Religiösen Rechten Indiens, nahm der Dalai Lama als Referent teil. Wie wir schon ausführlich gezeigt haben, glauben einflussreiche Personen aus diesem Milieu, ein Religionskrieg gegen den Islam sei unausweichlich beziehungsweise finde schon statt. Der bisherige Kulminationspunkt in diesem Konflikt war die Zerstörung der Babri Masjid Moschee am 6. Dezember 1992 in Ayodhya.

 

Zehn Jahre danach, Ende 2003, bot sich der XIV. Dalai Lama als Friedensunterhändler zwischen Hindus und Muslimen in der Ayodhya-Frage an. Sein Angebot wurde von der BJP, dem RSS und dem VHP enthusiastisch begrüßt. „Die Intervention eines neutralen religiösen Führers, der weder der Hindu noch der Moslem Gemeinschaft angehört, könnte eine Atmosphäre aufbauen, um die disputierenden Parteien an den Verhandlungstisch zu bringen.“ – sagte ein hoher BJP-Funktionär. (14) Nach anfänglicher Zustimmung lehnte jedoch die muslimische Seite die Vermittlerrolle des tibetischen Religionsführers ab, zweifelte dessen Neutralität an und einige behaupteten, er stecke mit der Religiösen Rechten Indiens unter einer Decke.

 

So habe er am 8. November 1992 eine Konferenz der ABVP (die Studentenorganisation des rechtsradikalen RSS) in Kanpur eröffnet und ihr seinen Segen gegeben. Auf diesem Treffen seien extremistischen Hetzreden gegen die muslimische Bevölkerung und gegen den muslimischen Glauben gehalten worden. Unter donnernden Applaus habe der Präsident der ABVP die Rekonstruktion des Tempels in Ram Janmabhoomi gefordert, was einen Monat später, am 6. Dezember, die  Zerstörung der Babri Masjid Moschee zur Folge hatte. Auf dieser Konferenz mit dem Dalai Lama als Gast seien zusammen mit anderen radikalen Organisationen die Vorbreitungen für die radikalen Ausschreitungen gegen die muslimischen Einwohner Ayodhyas gemacht worden.

 

Konkret vorgeworfen wird dem Dalai Lama, er habe auf dem folgenschweren Treffen der ABVP nicht gegen die radikale, anti-Muslimische Grundhaltung der Hinduistischen Rechten Stellung bezogen. Im Gegenteil, er habe sich dort sehr zustimmend zur Ideologie der Hindutva und des Sangh Parivar, der „gemeinsamen Familie“ politischer und kultureller Hindu-Organisationen, geäußert. Im Sangh Parivar gibt es auch Organisationen wie den Welt-Hindu-Rat (VHP – Vishwa Hindu Parishad), die die Endlösung der Islamfrage fordern. (15)

 

Seid dreißig Jahren verfolge er die Debatte über die Hindutva, sagte der Dalai Lama später in einem Interview. Es gäbe da auch ein „einige kritische Punkte“. – „Aber zur gleichen Zeit finde ich, dass der Parivar [die Hindu Familie] sehr darum bemüht ist, die indische Kultur und Nation zu bewahren. Dieser Aspekt hat mich sehr beeindruckt. Offen gesagt, da gibt es in diesem Land Leute, die in den westlichen Lebensstil vernarrt sind. Ich habe immer meinen indischen Freunden gesagt, dass sie auf keinen Fall ihr reiches kulturelles Erbe vernachlässigen dürfen. Somit verdient jede Organisation, die für die Bewahrung der traditionellen Werte und Normen Indiens arbeitet, die Unterstützung aller wohlmeinenden Menschen.“ (16) Das ist sicher eine sehr wohlwollende Aussage über einen Organisationsverbund, den Liberale, Linke, Christen und gemäßigte Muslime gleichermaßen als „theokratischen Faschismus“, als „religiöser Faschismus“, als „Hindu-Fundamentalismus“ bezeichnen und aus dessen Reihen die „Endlösung der Islamfrage“ gefordert wird.

 

Die muslimische Kritik an dem tibetischen Religionsführer fällt entsprechend radikal aus: „Ich muss leider sagen, dass Sie weder ein ehrenvoller Friedensunterhändler sind,“ –schreibt der Journalist Shamsul Islam in einem offenen Brief an den Dalai Lama -  „noch sind Sie eine heilige Seele, die sich über die dreckige Interessenpolitik erhebt. Sie spielen das Hindutva Spiel, indem Sie zu Tricks und Bluffs greifen, wodurch sich dieses Spiel auszeichnet. Sie sind ein alter Kumpel der RSS, der dann aus der Tasche gezogen wird, wenn alle anderen Tricks fehlgeschlagen sind.“ (17)

 

„Nähert sich der Dalai Lama dem Hinduismus an?“ – fragt der französische Journalist François Gautier in einer Reportage aus dem Jahre 2004. (18) Er bejaht diese Frage und kommt dann auf drei Ereignisse zu sprechen, die eine solche Tendenz bestätigen:

 

1. In Trivandrum, der Hauptstadt der Provinz Kerala nahm der Religionsführer als Ehrengast an einer Konferenz über die Bhagavadgita teil. Dort wurde in mehreren Vorträgen der durchaus kriegerische Charakter dieses Heiligen Textes bejaht. In seinem Beitrag betonte der Dalai Lama zwar das Prinzip der Gewaltlosigkeit, aber dann machte er eine Einschränkung und sagte, es komme an erster Stelle auf die Motivation und nicht auf die Handlung an, was also bedeutet, dass eine gewaltsame Handlung gerechtfertigt ist, wenn die Motivation des Handelnden stimmt. (19) Auch der historische Buddha habe in einem Fall einen potentiellen Mörder getötet, der ansonsten 499 Personen umgebracht hätte, sagte der Dalai Lama. (20)

 

2. Auf Einladung des Guru Sri Sri Ravi Shankar nahm er an einem Festival mit 100.000 Personen teil. In der Abenddämmerung zündeten die Teilnehmer Zehntausende von Kerzen an und psalmodieren ein Hymne zu Ehren Buddhas. Offensichtlich bewegt sagt der Dalai Lama: „Hinduismus und Buddhismus sind zwei Schwesterreligionen, wir teilen dieselben Ideale des Mitgefühls und der Toleranz. […]  Jetzt wo der Westen sich klar darüber wird, dass der materielle Fortschritt, der auf dem technischen Fortschritt beruht, nicht hinreicht, ist es ohne Zweifel das Ewige Indien dass sich mehr und mehr dahin entwickeln wird, den Schlüssel der spirituellen Glückseligkeit zu finden. [...] Verbinden wir uns miteinander, denn wir können uns gegenseitig sehr viel geben.“ (21)

 

3. Am 25. Januar 2001 besuchte er auf Einladung des umstrittenen Welt-Hindu-Rates (VHP – Vishwa Hindu Parishad) das Kumbh Mehla Festival in Allahabad, an dem Millionen von Indern teilnahmen. Da einige der Swamis die Präsenz des Buddhistenführers kritisierten, versuchte er sich besonders konziliant zu zeigen: „Ich bin sehr froh hier zu sein und ich bemühe mich darum Buddhisten und Hindus einander näher zu bringen, weil ich sie als Zwillinge betrachte.“ – sagte er. (22)

 

Präsentiert wurde der Dalai Lama von dem VHP-Präsident Ashok Singhal, ein spiritueller Hardliner, der ständig und mit harten Worten gegen den Islam und das Christentum Front macht. (23) Der „aggressive“ Missionsstil der Christen war auch auf diesem Treffen ein Thema. Dass der Vorwurf gegenüber den Christen überzogen ist, haben wir schon im vorigen Kapitel gezeigt. Aber der Dalai Lama stieß, entgegen seiner sonstigen Toleranzbekenntnisse, in dasselbe Horn wie seine Hindu-Freunde: „Ob Hindus, Muslime und Christen, wer auch immer versucht, andere zu konvertieren, liegt falsch, das ist nicht gut. Wir stellen uns gegen Missionsaktivitäten jeder religiösen Tradition, die Methoden der Verführung benutzen.“ (24) – sagte er im vollen Bewusstsein, dass in dem Umfeld, in dem er diese Worte aussprach, nur Christen und Muslime gemeint sein konnten, zumal wenige Minuten vorher, Ashok Singhal gefordert hatte: „Buddhismus, Hinduismus und andere nicht-aggressive Religionen müssen sich zusammentun, um den Islam als eine aggressive Religion auszulöschen.“ (25) In der ultra-konservativen Presse wurde denn auch berichtet, der Dalai Lama habe gesagt, dass sich zwar alle Religionen auf menschliche Werte berufen würden, dass aber „Muslime, Christen und Anhänger Zarathustras nicht auf den indischen Boden gehörten. Auf der anderen Seite wären die Hindus, die Buddhisten, die Jains und die Sikhs dort zuhause.“ (26)

 

Indische Christen waren denn auch über die Äußerungen des Friedensnobelpreisträgers höchst konsterniert. „Wir sind enttäuscht, dass ein Mann des Friedens wie der Dalai Lama die Plattform mit einer Organisation teilt, die sich zur Aufgabe gemacht hat, Christen und Muslime zu verfolgen.“ – sagte ein Pastor aus Delhi. (27) Eine scharfe Kritik erschien in der renommierten Internet-Zeitung www.beliefnet.com unter dem Titel: „Der Dalai Lama verurteilt islamische und christliche Konvertierungspraktiken“. Der Autor Muqtedar Khan führt aus: „Es ist wirklich unmöglich, dass sich der Nobelpreisträger und spirituelle Führer, mit denselben Leuten auf der Bühne zeigt, die das Blut von Hunderten von Menschen, welche zu Indiens religiösen Minderheiten zählen, an ihren Händen haben. Er benutzte nicht einmal die Gelegenheit, zum Frieden und zur Harmonie in Indien aufzurufen, wo der Aufstieg des Hindu-Nationalismus und seine verwerflichen Kampagnen, das Leben der Muslime und Christen, ihrer Moscheen und Kirchen unsicher gemacht hat. [...] Der Dalai Lama hatte hierzu nichts zu sagen. Er widersprach nicht einmal Asho Singhals Aufruf an den Buddhismus und Hinduismus sich vereinigen, um den ‚Islam auszulöschen’. Ich frage mich, was sie unter ‚den Islam auslöschen’ verstehen? Die Hindu-Militanten haben Gewalt, Brandstiftung, Krawalle, die Zerstörung von Moscheen und selbst systematische Massaker (wie das Massaker an 3000 Muslimen in Bombay im Jahre 1992) angewandt, um die Muslime in der jüngsten Vergangenheit zu unterdrücken. Sie haben auch Kirchen niedergebrannt, Christen getötet und Missionare lebendig verbrannt, um die Ausbreitung des Christentums in Indien ‚auszulöschen’. Unterstützt der Dalai Lama diese Methoden? Sehen wir jetzt, wie sich buddhistische und Hindu Militante in ihren Angriffen gegen Muslime und Christen vereinigen? Buddhismus ist ein Glaube der Gewaltlosigkeit und wir sollten keine aktive Gewalt von ihnen [den Buddhisten] erwarten. Aber das ‚Versehen’ des Dalai Lama, die jüngsten Attacken auf die religiösen Minderheiten Indiens zu verurteilen und sein Auftritt mit den intolerantesten Hindu-Gruppierungen auf demselben Podium, ist nichts weniger als Gewalt. Er verspielt so seine internationale Glaubwürdigkeit gegen religiöse Bigotterie. Offensichtlich hat der Dalai Lama auch vergessen, dass der Buddhismus, eine indische Religion, sich in China und dem Fernen Osten durch Konvertierungen verbreitete.“ (28)

 

Im Westen hat der tibetische Kirchenfürst viele Millionen Menschen mit buddhistischen und allgemeinen Sinnsprüchen missioniert und in wenigen Jahren Tausende dazu gebracht, zum Lamaismus zu konvertieren. Indem er mit dem double bind arbeitet und sagt, bleibt bei eurer ursprünglichen Religion, erzielt der Dalai Lama einen eklatanten Konvertierungseffekt. Aber wenn christliche Missionare einen weit geringeren Missionserfolg in Asien aufweisen, ist er erbost. „Ihr Christen praktiziert die völlig überholte Methode des Proselytenmachens.“ – sagte er in einem Interview dem französischen Journalisten François Gautier – „In der Mongolei haben zum Beispiel christliche Missionare Tausende der unseren zur Konversion gebracht; desgleichen ermutigen die Chinesen eure Priester die Meinigen in Tibet zu missionieren; in Ost-Indien benutzen die amerikanischen Missionare ökonomische Argumente um die armen Stämme aus den Bergen zu bekehren, indem sie diese von ihren Wurzeln, ihrer Kultur und ihren traditionellen Lebensgewohnheiten abschneiden.“ (29)

 

Der XIV. Dalai Lama und die Hindu-Bombe

Die erste indische Atombombe wurde am vermeintlichen Geburtstag des Buddhas gezündet (1974) und trug den Namen „lächelnder Buddha“. Diese für eine Nuklearexplosion erstaunliche Bezeichnung mag auch deswegen zustande gekommen sein, weil das Oberhaupt des tibetischen Buddhismus, der XIV. Dalai Lama, mit dem Ereignis in einem mittelbaren Zusammenhang stand. In einem geheimen „Deal“ zwischen dem indischen Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru und Washington wurde nämlich 1958 vereinbart, dass Indien dem Religionsführer Asyl gewährt und dass es als Gegenleistung die Hilfe der USA beim Aufbau eines Atomwaffenprogramms durch die Ausbildung von 400 indischen Wissenschaftlern erhält, die dann später die „Bombe“ gebaut hätten. (30)

 

Erstaunlich war auch, dass der tibetische Friedensnobelpreisträger im Jahre 1998, als die Inder erneut ihre Nukleartests durchführten und die gesamte Welt, einschließlich der USA, heftig dagegen protestierte, einen Kotau vor seinem Gastland machte und erklärte: „Ich denke, das atomare Waffen gefährlich sind. Deswegen sollte man jegliche Anstrengung unternehmen, Nuklearwaffen zu eliminieren. Aber die Anmaßung des Konzepts, dass es für wenige Nationen okay ist, Atomwaffen zu besitzen und für den Rest der Welt nicht .... das ist undemokratisch. [...] Indien sollte nicht von den entwickelten Ländern unter Druck gesetzt werden, seine Atomwaffen aufzugeben.“ (31)

 

Obgleich diese Äußerung zu einer weltweiten Irritation führte, änderte der Dalai Lama in einem späteren Interview (2001) seine Meinung nur insoweit, als dass er sich unentschlossen gab. Auf die Frage des französischen Journalisten François Gautier, ob der Einsatz von Atomwaffen legitim sei, wenn dies mit einer guten Absicht geschehe, antwortete er: „Nun, das ist eine sehr komplizierte Sache (Pause). Die Konsequenzen eines Atomkrieges sind schrecklich, dass es schwer fällt, die Bombe zu rechtfertigen, selbst wenn sie mit einer guten Motivation eingesetzt wird. [...] Doch ich verstehe die Bedenken der Inder: Da haben Sie die fünf Großen, die von Indien verlangen, dass es keine nuklearen Waffen besitzt, und die sich selber das Recht vorbehalten, welche zu haben. (Pause) Das ist ungerecht und gefährlich. Die Inder stehen zwei atomaren Bedrohungen, die aus dem Westen und Osten (Pakistan und China) kommen, gegenüber. Also ich weiß nicht, was ich da sagen soll.“ (32)

 

© Victor und Victoria Trimondi


Gesamtübersicht

 

Nächstes Kapitel (7)

Lamaistische Doomsday-Prophezeiungen als Inspirationsquelle für Nazis und Terroristen

 

Vorangegangenes Kapitel (5)

Der Dalai Lama und die CIA

 


Siehe auch:

Ideologien der Religiösen Rechten in Indien

 

Die englische Version des Buches “Der Schatten des Dalai Lama“ finden Sie unter:

The Shadow of the Dalai Lama – Sexuality, Magic and Politics in Tibetan Buddhism  
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Die Verlinkungen in den Fußnoten wurden das letzte mal 2006 überprüft:

 

(1) John Ronald Newman - The outer wheel of time: Vajrayana buddhist cosmology in the Kalacakra Tantra - Madison 1987, 164. Siehe auch: Edwin Bernbaum – Der Weg nach Shambhala – Auf der Suche nach dem sagenhaften Königreich im Himalaya – Hamburg 1982, 89

(2) In: John Ronald Newman - The outer wheel of time: Vajrayana buddhist cosmology in the Kalacakra Tantra - Madison 1987, 587.

(3) Die Namen sind: Matsya, Kûrma, Varâha, Narahari (Narasimha), Vâmana, Yâmadagni (Parasurama), Rama und Krishna. (Shri Kalachakra I. 153)

(4) Claude Arpi – „The Phantoms of Chittagong” – The Rediff Special 08.01.03 – in: www.tibet.ca/en/wtnarchive/2003/1/8/_2.html

(5) David Frawley – “Hinduism and the clash of civilizations” – in: http://bharatvani.org/books/civilization/part3.html

(6) Siehe hierzu ausführlich: Koenraad Elst – „Who is a Hindu? – Hindu Revivalist Views of Animism, Buddhism, Sikhism and other offshoots of Hinduism – Kapitel 10 - Are Buddhists Hindus?” – in: http://voi.org/books/wiah/ch10.htm . Der Autor verweist auch darauf, dass viele buddhistische Symbole bei der modernen Staatsgründung eine Rolle spielten: Die Löwensäule des buddhistischen Kaisers Ashoka aus der Maurya Dynastie, die auf indischen Münzen und Gelscheinen abgedruckt ist. Das „Rad der Lehre“, welches sich auf der indischen Fahne befindet.

(7) Koenraad Elst – „Who is a Hindu? – Hindu Revivalist Views of Animism, Buddhism, Sikhism and other offshoots of Hinduism – Kapitel 10 - Are Buddhists Hindus?” – in: http://voi.org/books/wiah/ch10.htm

(8) An interview with CHANDRA BHAN PRASAD – in: http://www.dalitstan.org/sol/cbn.htm

(9) Koenrad Elst – „Are neo-Bddhists Hindus?“ – in: http://voi.org/books/wish/ch11.htm

(10) Edmund Weber – “Die Einheit von Buddhismus und Hinduismus in Erfahrung und Lehre des Dalai Lama” – in Journal of Religious Culturewww.uni-frankfurt.de/irenik/relkultur19.html

(11) Koenraad Elst – „Who is a Hindu? – Hindu Revivalist Views of Animism, Buddhism, Sikhism and other offshoots of Hinduism – Kapitel 10 - Are Buddhists Hindus?” – in: http://voi.org/books/wiah/ch10.htm

(12) Die BJP hat unter  den Buddhisten von Kargil einige Mitglieder.

(13) Edmund Weber – “Die Einheit von Buddhismus und Hinduismus in Erfahrung und Lehre des Dalai Lama” – in Journal of Religious Culturewww.uni-frankfurt.de/irenik/relkultur19.html

(14) Shamsul Islam – „Open letter to HH Dalai Lama” vom 15.02.04  - in: www.millegazette.com

(15) Arundhati Roy – „Ein aufhaltsamer Aufstieg .... In Indien macht sich der Hindu-Faschismus in einem immer stärkeren Maße breit“ – in: http://diestandard.at/standard.asp?id=1268544

(16) Interview von S. Suresh mit dem Dalai Lama während der ABVP-Konferenz November 1992 in Organiser 22.11.92

(17) Shamsul Islam – „Open letter to HH Dalai Lama” vom 15.02.04  - in: www.millegazette.com

(18) François Gautier – „Reportage : Le Dalai Lama se rapprocherait-il de l’Hindouisme ? ” - in : www.francoisgautier.com/Written%20Material/D_REPORTAGE.rtf    

(19) François Gautier – „Reportage : Le Dalai Lama se rapprocherait-il de l’Hindouisme ? ” - in : www.francoisgautier.com/Written%20Material/D_REPORTAGE.rtf

(20) François Gautier – „Une Interview avec le Dalai Lama” - in : www.francoisgautier.com 

(21) François Gautier – „Reportage : Le Dalai Lama se rapprocherait-il de l’Hindouisme ? ” - in : www.francoisgautier.com/Written%20Material/D_REPORTAGE.rtf

(22) „Dalai Lama at Hindu Festival, but no holy dip“ – in: www.tibet.ca/en/wtnarchive/2001/1/25_1.html

(23) Sanjoy Majumder - “Cracking India’s Muslim vote” – in:BBC-News – http://newsvote.bbc.com

(24) „Dalai Lama disappoints India’s Christians” – in: www.missionfrontiers.org/2001/01/news.htm

(25) „Dalai Lama disappoints India’s Christians” – in: www.missionfrontiers.org/2001/01/news.htm

(26) The Hindu vom 29.1.01 – „Dalai Lama’s Kumbh visit improper” – in: www.hinduonnet.com

(27) „Dalai Lama disappoints India’s Christians” – in: www.missionfrontiers.org/2001/01/news.htm ;

siehe auch: www.christianitytoday.com/ct/2001/006/19.23.html

(28) Muqtedar Khan – “Dalai Lama condemns Islamic and Christian Practice of Conversation” – in: www.beliefnet.com/story/64/story_6448.html 

(29) Interview avec le Dalai Lama   http://www.francoisgautier.com/Written%20Material/DLAMA-INTER.rtf ; siehe auch: „Evangelist missionaries target poor rural youth“ – 29.08.03 – World Tibet Network – www.tibet.ca/en/wtnarchive/2003/8/29_6.html

(30) “India sheltered Dalai Lama for nuclear technology” – Press Trust of Indiawww.indianexpress.com/ie/daily/1999081/ige01020.html

(31) Claude Arpi –  “The Phantom of Chittagong” – in The Rediff Special vom 08.01.03 – www.rediff.com/news/2003/jan/08spec.htm - Dieser Artikel erwähnt mehrere militärische Aktionen, bei denen tibetische Soldaten den Indern geholfen haben.

(32) François Gautier – „Une Interview avec le Dalai Lama” - in : www.francoisgautier.com/Written%20Material/DLAMA-INTER.rtf  
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