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Geschlechterkrieg - Geschlechtersieg


 

Victor und Victoria Trimondi

 

Der große Manipulator

Manipulation des Eros und Massenpsychologie

 

Der rumänische Religionswissenschaftler Joan P. Culianu (oder Couliano) entdeckte bei dem Renaissancephilosophen Giordano Bruno (1548 – 1600) die Grundlagen einer Theorie, die einen tiefen Einblick in die pscho-mago-mythischen Mechanismen gewährt, mit denen die Menschen in den modernen Massengesellschaften manipuliert und in Abhängigkeit gehalten werden. Gegenüber von zwei Aufsätzen, die Bruno über die Manipulation des Eros verfasst hat, erscheint – so Culianu – das berühmt-berüchtigte Büchlein Der Fürst von Niccolo Machiavelli  „blass und lachhaft.“ (1)

 

Giordano Bruno, geboren zu Nola im Süden Italiens, war mit 15 Jahren dem Dominikanerorden beigetreten. Sein großes Interesse an den neuesten wissenschaftlichen Forschungen und seine Faszination an neoplatonischen Spekulationen veranlassten ihn jedoch sehr bald seinen Orden zu verlassen, ein für die damalige Zeit mutiges Unterfangen. Von nun an begann ein gehetztes Wanderleben, welches ihn durch ganz Europa trieb. Dennoch verfasste und veröffentlichte der rastlose und geniale Ex-Mönch zahlreiche „revolutionäre“ Schriften, die sich in allen möglichen Themenbereichen kritisch zur kirchlichen Dogmatik verhielten. Die Tatsache, dass sich Bruno viele Ideen des damals aufkommenden modernen wissenschaftlichen Weltbildes, insbesondere das kopernikanische System zu Eigen machte, hat ihn schon zu Lebzeiten zu einem Helden der Neuzeit werden lassen. Nachdem er aufgrund eines Urteilsspruch der Inquisition im Jahre 1600 auf dem Campo de Fiori in Rom wegen Ketzerei lebendig verbrannt wurde, erklärte ihn die europäische Aufklärung zum größten „Märtyrer der modernen Wissenschaft“. Dieses Image ist ihm bis heute geblieben. Es besteht jedoch mit einem gewissen Unrecht, da Bruno ebenso, wenn nicht weit mehr, an den neu-platonischen Ideen seiner Zeit interessiert war wie an modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Alle seine Werke haben magisch - mystisch - mythologische Inhalte. Auch das Thema Liebe (Eros) handelt Bruno aus dieser Weltsicht ab und kommt dabei zu erstaunlichen Aussagen.

 

Liebe (Eros, Amor), Pneuma und Magie wurden in der neuplatonische Renaissance-Schule des Marsilio Ficino (1433-1499), in deren Nachfolge sich Giordano Bruno stellt, als ein Gesamtkomplex angesehen. Unter „Liebe“ (Amor, Eros) versteht Ficino ganz allgemein die „Macht der Verbindung“. Alle Formen der Eros sind durch diese Bezeichnung angesprochen, werden jedoch in ihrer Wertigkeit unterschiedlich beurteilt. Auf der untersten Stufe befindet sich die tierische und körperliche Liebe. Das ihr entsprechende Gefühl ist die Wollust, ihr Vermögen besteht im Tastsinn. Auf der nächsten Stufe folgt die menschliche Liebe, sie entspricht dem „tätigen“ Eros, der durch das Sehen zustande kommt. Die höchste Stufe nimmt die göttliche Liebe ein. Sie gilt als kontemplativ und entspricht der Vernunft. (2) Auch Giordano Bruno teilt diese Sicht.

 

Beide, Ficino und Bruno, gehen zudem von der antiken stoischen Tradition aus, nach der alle Dinge dieser Welt durch eine „spirituelle Substanz“, das universelle Pneuma, miteinander verbunden sind. Dies trifft sowohl auf den gesamten Kosmos als auch für jedes einzelne menschliche Wesen zu. Alles steht mit allem durch das Pneuma in Beziehung und Austausch. Weit verbreitet war in der Renaissance auch die Vorstellung des römischen Arztes Galen (gest. um 199), dass das Pneuma der „Träger der Seele“ sei. Die Einheit der Seele, der Kontakt zu anderen Menschen, die Begegnung mit dem Göttlichen – alle diese emotionalen Verbindungen sind nach Meinung der Stoiker durch das feinstofflichen Pneuma miteinander verknüpft. Stimmungen, Gefühle und Leidenschaften wurden deswegen als „pneumatische“ Zustände gedeutet und deswegen ebenfalls als eine Art Substanz angesehen. Wenn der Renaissance-Dichter William Shakespeares vom „Stoff“ spricht, „aus dem unsere Träume“  sind, so meint er das keineswegs allegorisch, sondern tatsächlich. Träume, Phantasmen und Imaginationen gelten als Ausdrucksform des Pneumas und damit als etwas Feinstoffliches. Das trifft auch für den „Geist der Phantasie“, der phantastikon pneuma genannt wurde, und die „Wissenschaft“, die sich mit diesem Stoff auseinander setzte, hieß „Pneumo-Phantasmologie - eine Disziplin, in der Giordano Bruno ein Meister war. Durch die Gleichsetzung von Liebe und Pneuma, die wir auch aus christlich-theologischen Abhandlungen kennen, ist der Eros für die Renaissancephilosophen grundsätzlich form- und manipulierbar wie ein Stück Materie.

 

Das Mittel, den pneumatischen Stoff und damit auch den Eros zu beherrschen und zu formen ist die Magie. Schon Ficino kommt zu der bündigen Schlussfolgerung, dass „alle Macht der Zauberei auf der Liebe beruht.“ (3) Magie ist für ihn die operationelle Kraft, von einander getrennte Teile miteinander zu verbinden. „Die Wirkung der Magie besteht in der Anziehung, welche ein Gegenstand auf einen anderen aufgrund einer bestimmten Wesensverwandtschaft ausübt.“ (4) Diese Verbindungskraft wird von ihm ebenfalls als eine primäre Qualität des Eros bezeichnet. So ist der Eros für Ficino ein großer „Zauberer“ (magus), der die auf der Liebe beruhenden Gesetze des Universums kennt und sie anwendet. „Darum besteht kein Zweifel daran, dass Eros ein Zauberer ist; denn alle magischen Kräfte beruhen auf der Liebe“ (5) Ein Magier verhält sich also ähnlich wie ein Liebhaber, denn was tut ein Liebhaber anderes, fragt Ficino, als mit seinen Worten und Handlungen ein „magisches Netz“ auszuspannen, um den Geliebten an sich zu fesseln. Der Renaissancephilosoph spricht in diesem Kontext von rete, einem „Netzwerk“ bzw. einem „Gewebe“. Die „Liebe“ in all ihren Variationen überzieht deswegen die Welt mit ihren feinmaschigen Fäden, angefangen von den Körpern bis hinauf in die metaphysischen Himmel, vom Sexus bis tief hinein in den ekstatischen Herzschlag des Mystikers. Ficino benutzt noch andere Vokabeln als „Netz“, um die Fangkraft der Liebe auszudrücken, zum Beispiel illex oder esca, „Falle“ oder „Köder“.

 

Die Liebe als Fessel

Auch für Giordano Bruno verhalten sich ein „Magier“ und ein „Liebhaber“ nahezu identisch: Beide werfen ihr erotisches „Netz“ aus, um bestimmte „Objekte“ einzufangen, diese an sich heran zu ziehen und an sich zu „fesseln“. Oder um ein anderes Bild Brunos zu verwenden, sie legen wie Jäger ihre „Fallen“ und „Köder“ aus, um das flüchtige Wild, das heißt die Seele und den Körper eines Menschen, einzufangen und von ihm Besitz zu ergreifen. Dennoch gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen beiden: Der Liebhaber ist selber im Netz der Liebe verfangen, er wird selber gefesselt, während der Magier frei von einer „Fesselung“ durch das Liebesnetz, d. h. emotionslos ist und allein den Zweck verfolgt, einen anderen emotional an sich zu binden. Da er selber nicht liebt, ist er ein „Manipulator“ der Liebe, ein Fesselkünstler, der den Eros benutzt, um andere seinem Willen zu unterwerfen. Das ist nach Bruno die Essenz der Magie: „Wir haben dort, wo wir über die natürliche Magie gesprochen haben, beschrieben, inwiefern alle Fesseln auf die Fessel der Liebe bezogen werden können, von der Fessel der Liebe abhängig sind oder in der Fessel der Liebe bestehen.“ (6)

 

Statue von Bruno auf dem Campo di Fiori

in Rom, der Ort wo er verbrannt wurde

 

Die mächtigste „Fessel“ ist also die Liebe, sie „ist eine einzige und die eine Fessel, die alles zu einem macht.“ – sagt Bruno.(7) Diese Omnipotenz gibt ihr den Charakter von etwas Ungeheuerlichem, insbesondere dann wenn sie von einem der Liebespartner zum Schaden des anderen ausgenutzt wird. „Für alle diejenigen, die zur Philosophie und Magie geboren sind, ist es ganz und gar offensichtlich, dass die höchste, die wichtigste und allgemeinste Fessel dem Eros zukommt und deshalb haben die Platoniker die Liebe den Großen Dämon, daemon magnus [den großen Dämon] genannt.“ (8)

 

Die „Fessel“ als Synonym für den Eros erhält für Bruno eine geradezu kosmische Bedeutung: Sie bestimmt den „Bauplan der Natur“. Sie „ist die Kette, die Ordnung, der große Dämon, durch den alles gefesselt wird.“ (9) Die Liebe als Fessel und keineswegs als gegenseitiger Austausch, durchströmt nach Bruno das gesamte Universum, letztlich bildet sie die primäre Ursache für alle anderen Affekte, welche den Menschen aneinander oder an etwas binden. Deswegen müssen „alle Fesseln auf die Fessel der Liebe bezogen werden [….], von der Fessel der Liebe abhängen oder in der Fessel der Liebe bestehen.“ (10) So kann Bruno selbst im Hass eine Variante der Liebe erkennen, denn der Hassende ist ebenso emotional an den Gehassten „gefesselt“ wie der Liebende an den Geliebten. (11) Da ein „Magier“ diese Fessel, d. h. die Liebe, zu seinen eigenen Zwecken benutzen kann, steht ihm demnach die gesamte Palette der Gefühle, durch die sich Menschen in irgendeine Abhängigkeit begeben, für seine Manipulationen zu Diensten: Hoffnung, Liebe, Religiosität, Furcht, Mitgefühl, Hass, Empörung, Zorn, Freude, Geduld, Verachtung gegenüber dem Leben und dem Tode. (12)

 

Welche nun die Voraussetzungen dafür sind, um eine solche „Liebes-Fessel“ herzustellen und wie dies zu bewerkstelligen ist, beschreibt Giordano Bruno in einem kurzen Traktat mit dem Titel De vinculis in genere („Über die fesselnden Kräfte im Allgemeinen“ (13) – publiziert im Jahr 1591) Joan P. Culianu bezeichnet diesen Text, den wir uns näher ansehen wollen, als ein zynisches Handbuch psychologischer Massenmanipulation: „Die Abhandlung De vinculis in genere, die bis Ende des 19. Jahrhunderts unveröffentlicht blieb, kaum gelesen und kaum verstanden wurde, ist dennoch eine Schrift, der heute der wahre und einzige Ehrenplatz unter den Theorien der Massenmanipulation gebührt. Ohne es zu wissen, haben die weltbeherrschenden Intelligenztrusts sich davon anregen lassen und die Gedanken Brunos in die Tat umgesetzt.“ (14) In der Tat kümmert sich der von Humanisten so hoch geschätzte Bruno in seinem Traktat recht wenig um die Würde des Menschen, sondern ausschließlich um die Machtinteressen und den Gesichtspunkt des „Manipulators“, der die Menschen an sich bindet.(15)

 

Wie funktioniert nun die erotische Fesselung durch den Manipulator? Im Normalfall entsteht zwischen zwei Liebenden ein Gewebe aus Gefühlen, Stimmungen und feinstofflichen Affektfäden, schreibt Bruno. Dieses erotische Netzwerk (rete) kann sich in einer leidenschaftlichen Beziehung durch sexuelle Abhängigkeit äußern, ist aber in den meisten Fällen seelischer Natur, was jedoch seine Bindungskraft nicht verringert, sondern im Gegenteil noch verstärkt und dauerhafter macht. Alle Formen der Liebe fesseln auf ihre Weise. Die Liebe, so Bruno, „ist eine einzige und die eine Fessel, die alles zu Einem macht. Sie hat im Verschiedenen verschiedene Gesichter.“ (16)

 

„Gefesselt“ wird der (oder die) Liebende an die Person des (oder der) Geliebten. Umgekehrt muss dies, wie schon gesagt, keineswegs der Fall sein, denn der Geliebte braucht nicht selber zu lieben, um sich der Liebesfessel zu bedienen. Eine Person kann also, wenn sie das will, eine andere ganz und gar dadurch beherrschen, dass sie diese durch „Liebe“ an sich bindet, denn „durch diese Fessel wird der Liebende hingerissen, so dass er in das Geliebte überführt werden will.“ - schreibt Bruno.(17) Der erfolgreichste Magier ist demnach der abgöttisch geliebte Manipulator, der die erotische Energie der Liebenden zur Akkumulation eigener Macht auszunutzen versteht. Bruno benennt ihn auch mit dem modern klingenden Begriff: der „Operator“, da er eine psychologische Technik anwendet, um Liebe in Macht, „Amor“ (Liebe) in „Roma“ (Macht) zu transformieren. Im Kern hat der Magier es auf die „Seele“ des Liebenden abgesehen, und er wird deswegen auch von Bruno als „Seelenjäger“ (animarum venator) bezeichnet.(18)

 

Der „Operator“ bzw. „Manipulator“ kann durch die „Augen“, die „Ohren“, die „Phantasie“ oder den „Geist“ in die Seele des Liebenden eindringen und diese dann an sich fesseln. Er kann den Liebenden anblicken und anlächeln, ihn mit Worten besprechen, seine Imagination stimulieren, sich in dessen Bewusstsein einpflanzen. Die Sinne eines Menschen sind ebenso wie seine Phantasie für den Manipulator „wie Eingänge, Türen oder Fenster“, durch die er sich Zugang zu seinem Opfer verschafft. Dabei hat er folgendes zu beachten: Die mit „Geist Begabten“ lassen sich durch spirituelle Betrachtungen fesseln, die seelisch Berührten durch den Blick sowie die Besprechung und die am Körper orientierten durch die Berührung. „Die erste Fessel heißt die göttliche Liebe, die zweite die menschliche Liebe, die dritte die tierische Liebe.“(19)

 

Beim Fesselakt unterscheidet Bruno vier Bewegungen. „Die erste ist das Eindringen oder die Einführung, die zweite die Bindung oder die Fessel, die dritte die Anziehung, die vierte die Verbindung, welche auch Genuss genannt wird. [...] Deswegen will der Liebende ganz in den Geliebten eindringen, mit der Zunge, dem Mund, mit den Augen etc.“ (20) Die Liebenden lassen sich also umso straffer fesseln, je größer die Lust ist, die sie bei ihrer Bindung an den Manipulator verspüren. Ihre Leidenschaft kann sich so steigern, dass sie mit ihrem Fesselkünstler völlig verschmelzen wollen. „Durch diese Fessel wird der Liebende hingerissen, so dass er in das Geliebte überführt werden will, das Geliebte ganz aufnehmen und sich aneignen will.“ (21) Eine solche ekstatische Bejahung der Fessel gibt dem Manipulator die absolute Macht über den Liebenden.

 

Da nach Bruno die gesamte menschliche Gemeinschaft durch das Netz (rete) des Eros miteinander verbunden ist und ihre Beziehungen untereinander durch erotische Energien gesteuert werden, partizipieren alle daran, aber dies geschieht weitgehend unbewusst und spontan. Die Liebe, so sagt man, ist nicht kalkulierbar. Nach Bruno ist das nicht korrekt. Sein „Manipulator“ durchschaut den erotischen „Mechanismus“ und er versteht es, daraus seine Vorteile zu ziehen -  als Künstler, als Hohepriester, als Politiker, als Medienmanager. Die Manipulation des Eros durch Magie ist deswegen ein Politikum ersten Ranges.

 

Die Gefühls-Askese des Manipulators

Ein erfolgreicher Manipulator der menschlichen Gefühle darf sich jedoch selber keinen emotionalen Neigungen hingeben. Um „Herr über die Fesseln“ zu werden, darf er auf keinen Fall in derselben Art und Weise wie der zu Fesselnde durch Emotionen „affiziert“ werden, sondern muss die absolute Kontrolle über die eigene Gefühlswelt ausüben. (22) Eine hoch potenzierte Egozentrik ist dafür die Voraussetzung. Nur eine einzige Liebe ist ihm erlaubt, nämlich die Selbstliebe (philautia). Der Manipulator muss immer auf der Hut sein, dass er keinerlei Gegenliebe für die von ihm gefesselten Liebenden entwickelt. Das könnte ihm zum Verhängnis werden.

 

Ebenso wie seine Gefühle, so muss der Manipulator seine Phantasie und seine Imaginationen zügeln, beziehungsweise beherrschen. Er muss ständig „cool“ bleiben und darf sich selber nicht von der Welt der Bilder faszinieren lassen, sonst kann aus dem Täter ein Opfer werden: „Sorge dafür“, warnt ihn Bruno, „dass du dich nicht aus einem Operator in ein Werkzeug der Phantasmen verwandelst.“ (23) Ein Fesselkünstler muss also in der Lage sein, seine „Phantasie zu ordnen, zu berichtigen und einzurichten, ihre Erscheinungsformen nach Belieben zusammenzusetzen.“ (24) Absolute Kontrolle über die eigene Gefühlswelt, Immunität gegenüber jeglicher Faszination ist die personelle Voraussetzung dafür, dass der Magier überhaupt effektiv „fesseln“ kann. „Kurzum, er ist gehalten, auf keinen einzigen Reiz aus der Außenwelt mehr zu reagieren. Um zu vermeiden, dass er seinerseits gefesselt wird, darf er sich weder von Mitleid noch von der Liebe zum Guten und Wahren noch durch irgendetwas anderes bewegen lassen. Um auf andere Kontrolle ausüben zu können, muss man zunächst von jeder Kontrolle, die von den anderen ausgeht, abgeschirmt sein.“ – lehrt Bruno (25)

 

 

Doch es gilt, noch weiteres zu beachten: denn trotz „innerer Coolness“ hat der Manipulator nach außen hin den Eindruck vorzutäuschen, dass auch er die ihn Liebenden liebt. Denn - so Bruno – „die Fesseln der Liebe, der Freundschaft, des Wohlwollens, des Gefallens, der Lust, der Nächstenliebe, des Mitleids, der Begierde, der Leidenschaft, der Habsucht, des Verlangens und der Sehnsucht verschwinden leicht, wenn sie nicht auf Gegenseitigkeit beruhen. Daher rührt jenes Sprichwort: Ohne Liebe stirbt die Liebe.“ (26) Damit diese Täuschung ein wirklicher Erfolg wird, muss der Manipulator die Emotionen, die er bei dem Liebenden hervorruft und stimuliert, in der eigenen Imagination nachvollziehen können, ohne sich diesen jedoch selber hinzugeben. Ja er muss geradezu „in seinem phantasmatischen Apparat [d. h. in seiner Imagination] gewaltige Leidenschaften entfachen, vorausgesetzt, sie sind unfruchtbar und er ist von ihnen losgelöst. Denn es gibt kein anderes Mittel zu behexen, als in sich selbst zu erfahren, was man bei seinem Opfer herbeiführen will.“ (27) So entsteht dieser paradoxe Doppelcharakter, der von einem Manipulator verlangt wird: Er muss gleichermaßen „heiß“ und „kalt“, „Feuer“ und „Eis“ sein, oder wie es Culianu ausdrückt: Er muss „liebestrunken und vollkommen gleichgültig gegen jede Leidenschaft, enthaltsam und ausschweifend“ zur gleichen Zeit sein. (28)

 

Weil verschiedene Individuen unterschiedliche Fesseln verlangen, muss der Manipulator die Eigenheiten des zu Fesselnden genau kennen. „Fesseln kann, wer den universalen Begriff (ratio) hat oder wenigstens die Natur der einzelnen Sache, die gefesselt werden soll, ihre Anlagen, ihre Neigungen, ihre sittliche Haltung, ihre Gewohnheit und ihr Ziel kennt.“ (29) Dennoch wusste Bruno schon, dass sich eine Menschenmasse effektiver fesseln lässt als ein Individuum. „Es ist nämlich leichter, viele als einen einzigen zu fesseln.“ (30) Demagogen fesseln die Massen durch ihre Stimme und „die Völker, die am stärksten zu erotischen Lüsten und zu Hass neigen, sind die tätigsten.“ (31) Auch Zeitpunkt und Ort, wann und wo gefesselt wird, spielen eine wichtige Rolle.

 

Manipulation mit Hilfe des Phantasma

Ziel des „Manipulators“ ist die Schaffung einer Illusionswelt. Dabei sind sich Bruno ebenso wie die modernen „brain trusts“ der Werbung, Politik und Religion bewusst, dass die Manipulation der Menschen, die ganze Komplexität ihrer subjektiven Erwartungshaltungen miteinbeziehen muss, so dass eine imaginäre und phantasmatische Welt entsteht, in der jeder die Illusion hat, es gehe um seine eigenen Interessen und individuellen Wünsche. Insofern kommt es zu einer paradoxen Massenmanipulation, bei der sich die einzelnen nicht als Masse, sondern im Gegenteil als Individualisten erleben. Die magisch bewirkte Fesselung darf deswegen nie gegen den offenkundigen Willen der Verzauberten geschehen. Im Gegenteil, der Manipulator muss in seinem Opfer immer die Suggestion hervorrufen, alles ereigne nur zu dessen persönlichen Vorteil. Er schafft die völlige Illusion, der Liebende sei ein Auserwählter, ein unabhängiges und freies Individuum, das in der ersten Phase seinem eigenen Willen folgt. Im weiteren Prozess der Liebesbeziehung ist der Liebende jedoch bereit, seinen Willen, seine Individualität und seine Persönlichkeit für den Geliebten hinzugeben.

 

Die Kultur der Renaissance maß dem Phantasma, der Imagination und der Symbolik eine alles prägende kulturelle Bedeutung bei. Joan P. Culianu bezeichnete sie deswegen als eine phantasmatische Kultur, die „die Fähigkeit, auf die Phantasmen aktiv einzuwirken und sie magisch einzusetzen, bis zum Äußersten verfeinert“ hatte. (32) Das effektivste Instrument für die Manipulation des Eros durch einen „Operator“ ist also die Phantasie der Liebenden: „Es hat nämlich die phantastische Erscheinung die ihr eigene Wahrheit, aus der folgt, dass sie auch wahrhaftig wirkt und wahrhaftig und sehr mächtig dadurch das Fesselbare bindet.“ (33)

 

Die Phantasma erregt das Bewusstsein des Menschen häufiger und intensiver als die Vernunft und verschafft sich, ohne dass dies gemerkt wird, einen Zugang zum Unterbewusstsein: „Viele lieben, aber warum, wissen sie nicht, weil sie ohne Vernunft lieben. Sie lieben aber dennoch nicht ohne die sie antreibende Ursache, wie den Fiebrigen die Liebe zum Wasser fesselt.“ (34) Die Ketten, die den Liebenden binden, brauchen von diesem nicht wahrgenommen werden: „Viele nämlich, da sie ohne Vernunft lieben, wenn auch nicht ohne sie dazu antreibende Ursache, werden zwar gefesselt, aber wodurch sie gefesselt werden, wissen sie nicht.“ (35)

 

Imagination und Phantasie setzen das erotische Pneuma frei und dienen deswegen ebenfalls dazu, den anderen zu binden: „Wird nicht der Mensch von den höchsten und immateriellen Dingen, also von imaginären und nicht erfahrenen, im höchsten Maße gefesselt?“ – fragt Bruno. (36) Durch ein geeignetes Phantasma kann der Magus in die Seele des zu Fesselnden eintreten und dessen Liebesbereitschaft stimulieren. Die Phantasie „nämlich ist die Pforte und der hauptsächliche Zugang zu den Aktionen, Passionen und allgemeinen Affekten, die sich in einem Lebewesen befinden.“ (37) Über die Phantasie setzt der Manipulator alle nur denkbaren Affekte frei: „Hoffung, Mitleid, Furcht, Liebe, Hass, Unwillen, Zorn, Freude, Geduld, Verachtung des Lebens, des Todes und der Fortuna und all das, dessen Kräfte aus der Seele in den Körper einwandern, um ihn zu verändern.“ (38) Es ist die „Welt der Bilder“ und die Imagination, welche Liebe und Lust hervorrufen, und „die Lust ist die Fessel der Fesseln.“ (39)

 

Aber auch hier gilt dasselbe wie bei den Gefühlen. Der Manipulator muss seine eigene Phantasie voll zügeln und sie beherrschen: „Sorge dafür,“ - warnt ihn Bruno – „dass du dich nicht aus einem Operator in ein Werkzeug der Phantasmen verwandelst.“ (40) Der echte Magier ist in der Lage, seine „Phantasie zu ordnen, zu berichtigen und einzurichten, ihre Erscheinungsformen nach Belieben zusammenzusetzen.“ (41)

 

Dem Phantasma im Bewusstsein des Gefesselten ist also das Resultat einer bewussten Täuschung durch den Manipulator. Er hat eine ausgetüftelte Methode gefühlsstimulierender Techniken entwickelt, die ihm Zugang zur Seele seines Opfers schafft. Er weiß genau, dass nicht durch das „wahrhaftig Gute und Schöne“ gefesselt werden muss, sondern durch die „Illusion“ vom Guten und vom Schönen: „Es ist nicht so, wie man sagt, dass die Kraft der Fessel eher von einem Guten herkommt, als dass vielmehr die Meinung, man habe etwas Gutes vor sich, fesselt.“ (42) Das gilt nach Bruno selbst für rationale und ethische Gründe. So wird der vernünftige und sittliche Mensch durch vernünftige und sittliche Argumente und Gründe des Magiers manipuliert, ohne dass dieser damit vernünftige und sittliche Absichten und Endziele damit verfolgen muss.

 

Sowohl durch unsere Bequemlichkeit als auch durch unsere Gier können wir an den Manipulator gekettet werden. Einen Ängstlichen fesselt man am besten dadurch, dass man ihm verbietet, zu kämpfen, einem Gottlosen, bringt man davon ab, die Götter zu ehren und einen „Unmenschlichen“ fordert man dazu auf, „seinen eigenen Annehmlichkeiten zu dienen.“ (43) Der Manipulator schmeichelt den Neigungen des zu Fesselnden. Deswegen gilt der Satz: „Der umsichtige Schmeichler fesselt mehr als der wahre Freund.“ (44) Der Manipulator bindet ebenfalls dadurch, dass er den Leuten das Blaue vom Himmel verspricht und ihre Besitzgier anstachelt, denn das, was wir nicht haben, „das lieben wir um so heißer.“ (45) Spricht der Magier eine Masse von Menschen an, dann muss er die Illusion schaffen, dass jeder seine ureigenen Interessen befriedigt sieht.

 

Joan P. Culianu oder die Magie in der Moderne

Brunos Überlegungen zur phantasmatischen Magie sind auch in unserem „Zeitalter der Aufklärung“ nicht überholt. Überzeugend weist Joan P. Culianu darauf hin, dass sich das magische Weltbild vergangener Jahrhunderte in den Techniken hochmoderner Bewusstseinsmanipulation neu artikuliert. Bruno, so Culianu, sah in der Magie die Fesselung und Manipulation erotischer Affekte mit dem Ziel der Beherrschung und Machtausübung. Zu diesem Zweck verschafft sich der „Manipulator“ einen Zugang zur Phantasie seiner Opfer und versucht in deren Imagination nachhaltige Impressionen (Bilder) einzupflanzen. Die Magie im Sinne Brunos ist nach den Worten Culianus „eine Beherrschungsmethode des Einzelnen und der Massen, die auf einer vertieften Einsicht in die persönlichen und kollektiven erotischen Triebe gründet. Man kann darin nicht nur den fernen Ahnherrn der Psychoanalyse erkennen, sondern auch vor allem den der angewandten Psychosoziologie und der Massenpsychologie.“ (46)

 

Insbesondere nähert sich nach Culianu die moderne Welt der Massenmedien mit ihrer Bilderinflation mehr und mehr der phantasmatischen Welt der Renaissance an. Beide Kulturen seien in ein manipulierbares „erotisches Network“ eingewoben: „Und da die Beziehungen zwischen den Individuen nach - im weitesten Sinne dieses Beiwortes  - 'erotischen' Kriterien geregelt sind, ist die menschliche Gesellschaft auf allen ihren Ebenen nichts als wirkende Magie. Selbst ohne sich dessen bewusst zu sein, nimmt jedes Lebewesen, das wegen der Beschaffenheit der Welt in ein intersubjektives Netz einbezogen wird, an einem magischen Vorgang teil. Da er diesen Mechanismus als Ganzes verstanden hat, ist der Operator der Einzige, der zunächst als Beobachter der intersubjektiven Beziehungen auftritt und gleichzeitig die Erkenntnis gewinnt, die er sich dann nutzbar zu machen weiß.“ (47)

 

Das „Zeitalter der Magie“ habe sich nur „versteckt“ und liege heute in den Händen von Public-Relation-Managern, Propaganda-Ministerien, Markt-Strategen, Werbefachleuten, Filmemachern, Informatikern, Meinungsforschern, Politikern, Wahlmanagern, Zensoren. Es äußere sich durch Gegen- und Falschinformation, durch Zensur und Spionage. Soziologen, Psychologen, Parteiberater arbeiteten ständig daran, Techniken der Bewusstseinsbeherrschung durch das Auswerfen eines phantasmatischen (erotischen) Netzwerkes effektiver zu gestalten. So habe die Manipulation des Phantasma mehr und mehr entpersönlicht und eine technische und transpersonelle Struktur angenommen, sie folge aber dennoch den Grundzügen des Bruno’schen Manipulators, denn Phantasie und Eros bleiben weiterhin der Stoff (pneuma) der im Einzelnen von der Manipulation geformt wird. Überhaupt sei die moderne Technik und die mit ihr verbundenen, realen (!) „Phantasmen“  (durch die Luft fliegen, Licht hervorbringen, überweite Strecken miteinander Sekunden schnell in Kommunikation treten lassen, ein Speichergedächtnis zur Verfügung zu haben usw.) mit den magischen (damals irrealen) Phantasmen des 16. Jahrhunderts geradezu kongruent, aber bei weitem effektiver, da sie sich  materialisieren ließen. In der modernen Science-Fiction Literatur ist die Kombination von Hypertechnik und Magie zudem ein Standardthema.

 

Bruno hatte behauptet. dass der Manipulator durch das Auge in das Bewusstsein und Unterbewusstsein des Manipulierten eindringt, die Augen sind das Tor, durch das sich die „Verzauberung“ den Zugang zu den Menschen verschafft. Heute gilt das für das Fernsehen und Kino. Die Bilder in den Medien können alle Affekte hervorrufen: Liebe, Hass, Lachen, Trauer, Mitleid, Verabscheuung, Verzweiflung, Freude. Sie stimulieren bestimmte Stimmungen der Seele und des Geistes und affizieren das ganze Wesen eines Menschen, ohne dass dies wirklich bewusst wird. Es gibt nach Bruno auch „sehr schlechte Eindrücke“, die in „die Seele und in den Körper  durch die Augen“ hineingetragen werden, „aber nicht auf so offenkundige Weise, eher durch etwas, was wir nicht beurteilen können.“ (48) Oft sind es unbedeutende Objekte und Gesten, welche bei dem zu Fesselnden starke Bindungen bewirken.

 

Nach Bruno kann der Magier das Phantasma ebenfalls durch das Herbeizitieren „machtvoller unsichtbarer Wesenheiten, Dämonen und Heroen“ auslösen. Diese von ihm evozierten und befohlenen Geister brauchen „weder Ohren noch eine Stimme noch Flüstern, sondern sie dringen in den inneren Sinn [der Liebenden], wie beschrieben, ein. So geben sie nicht nur Träume ein und bewirken, dass Stimmen vernommen werden und alles Mögliche gesehen wird, sondern auch dem Wachenden drängen sie bestimmte Gedanken als Wahrheit auf, die sie kaum als von einem anderen stammend erkennen.“ (49) So meinen auch in diesem Fall die Liebenden fälschlicherweise aus eigenen Motiven zu handeln, während sie in Wahrheit magisch gesteuert und kontrolliert sind. Selbst wenn wir heute nicht mehr an solche magische Evokations-Praktiken glauben, können wir das Phantasma, das durch Filme ausgelöst wird, durchaus als ein „Herbeizitieren“ von Dämonen und Heroen bezeichnen. Die unsichtbaren Wesenheiten Brunos sind somit sichtbar geworden.

 

„Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“ – kaum ein Satz kann anschaulicher die Manipulation im Bruno’schen Sinne beschreiben, wie dieser Spruch des ehemaligen Geschäftsführers des deutschen Privatsenders RTL, Helmut Thoma. Erinnern wir uns daran zurück, dass Marsilio Ficino in seiner Theorie des Eros neben der Vokabel „Netz“ auch das Wort „Köder“ (esca) benutzte, um die Fangkraft der Liebe zu bezeichnen. Unter „Köder“ versteht Thoma das Programm des RTL, unter „Fisch“ das Fernsehpublikum und unter „Angler“ den Sender bzw. all diejenigen, die von dem Sender profitieren. Wie der Magier in Brunos erotischer Fesseltheorie, so darf sich der Angler (der Fernsehmacher) an dem Köder (dem Programm), mit dem er die Gefühle des Publikums „erotisiert“, nicht selber „ergötzen“. Er muss cool und unbeteiligt bleiben. Das Resultat ist, dass der Zuschauer am Ende gefangen und dann „gefressen“, d. h. als freies Individuum vernichtet wird.

 

Ein Vergleich mit der modernen Massenpsychologie

Auch wenn Brunos Theorie von den fesselnden Kräften des Eros als eine Grundlage dienen mag, die moderne Mediengesellschaft zu verstehen, so evoziert sie weit mehr das keineswegs überholte Phänomen, wenn sich die „operative Magie der Medien“ mit dem Charisma einer Führerpersönlichkeit in ShowBiz, Politik oder Religion verbindet. Diese Kombination wurde strukturell in den großen Diktaturen des 20. Jahrhunderts mithilfe einer gigantischen Propagandamaschinerie vorbereit. In diesen Fällen kam jedoch der starke Einfluss einer politischen Ideologie hinzu (Faschismus, Nationalsozialismus, Kommunismus). Dagegen stehen ideologische Erwägungen bei modernen politischen „Führern“ immer weniger im Vordergrund. Es ist besonders die von den Medien wirksam präsentierte Person, die von den Massen geliebt wird. Das hat dazu geführt, dass Politiker, Präsidenten und Päpste genauso effektive Medienplayer geworden sind wie Filmschauspieler. Bruno würde sagen, sie sind „Herren des Phantasma“ und werden deswegen geliebt.

 

Es liegt nahe, die Überlegungen Brunos mit den modernen Theorien der Massenpsychologie zu vergleichen. Dabei fällt sofort auf, dass die klassischen Autoren zu diesem Thema wie Gustave Le Bon (50), Sigmund Freud (51), Wilhelm Reich (52), Ortega y Gasset (53) und Elias Canetti (54) an erster Stelle die Massen und die Interdependenzen der Menschen in der Masse untersuchen. Einig sind sich alle darin, dass die Masse keine Menge darstellt, nicht die Summe der Einzelnen ist, sondern ein umfassendes Ganzes. Le Bon spricht von einer „Gemeinschaftsseele“ der Masse, Freud von einem „provisorischen Wesen“, welches aus heterogenen Elementen bestehe, die sich für einen Augenblick miteinander verbunden haben. Das Individuum verschwindet in der Masse, es gibt seine Persönlichkeit (sein Ich) auf und ist deswegen leicht beeinflussbar. „Die Hauptmerkmale des Einzelnen in der Masse sind also: Schwinden der bewussten Persönlichkeit, Vorherrschaft des unbewussten Wesens, Leitung der Gedanken und Gefühle durch Beeinflussung und Übertragung in der gleichen Richtung, Neigung zur unverzüglichen Verwirklichung der eingeflößten Ideen. Der einzelne ist nicht mehr er selbst, er ist ein Automat geworden, dessen Betrieb sein Wille nicht mehr in der Gewalt hat.“ – schreibt Le Bon. (55)

 

Hier zeigt sich schon ein Unterschied zu Bruno. Bruno betont die Macht des Manipulators und die Hingabe, d. h. letztlich die Ohnmacht des Liebenden, des Manipulierten, auch wenn dieser zuerst als Individuum zu handeln glaubt. Der Renaissancephilosoph stellt keinesfalls auf die „Verschmelzung“ der Mitglieder einer Masse untereinander ab, sondern auf die Verschmelzung jedes einzelnen mit dem Manipulator. Der Liebende möchte nicht mit allen anderen Individuen einer Masse zur Einheit werden, sondern er schenkt ausschließlich seine Individualität dem Geliebten. Mehr noch, er fühlt sich direkt von dem Manipulator angesprochen. Zwar geht Bruno ebenso wie Freud und die anderen Massenpsychologen von einem Persönlichkeitsschwund aus, aber bei ihm schwindet die Persönlichkeit nicht in der Masse, sondern im Manipulator, im geliebten Führer. Das Pneuma des Liebenden fließt direkt zu ihm. Das „Ich“ will sich im Führer auflösen. Es will „erlöst“ werden. Der Führer ist deswegen ein Erlöser, ein Messias. (56)

 

Über die psychologische Konstitution und die Psychotechniken des Führers erfahren wir bei den erwähnten Autoren nur wenig und Ungenaues. Le Bon spricht von „Suggestion“, mit der auf die Massen eingewirkt wird. In einem Satz kommt er dem Magier-Manipulator Brunos sehr nahe, wenn er schreibt: „Der Nimbus ist in Wahrheit eine Art Zauber, den eine Persönlichkeit, ein Werk oder eine Idee auf uns ausübt. Diese Bezauberung lähmt alle unsere kritischen Fähigkeiten und erfüllt unsere Seele mit Staunen und Ehrfurcht. [...] Der Nimbus ist der mächtige Quell aller Herrschaft. Götter, Könige und Frauen hätten ohne ihn niemals herrschen können.“ (57) Freud orientiert sich an dem Begriff „Hypnose“. Auch hier zeigen sich Parallelen zu Brunos Begriff von der libidinösen Magie, aber als ein Mann der Ratio schreckt der Begründer der Psychoanalyse vor der eigenen Erkenntnis zurück: „Die Hypnose würde uns das Rätsel der libidinösen Konstitution einer Masse glatt lösen, wenn sie selbst nicht noch Züge enthielte, die sich der bisherigen rationellen Aufklärung [...] entziehen.“ (58)

 

Mit dem Libido-Begriff im allgemeinen und dessen Heranziehen zur Erklärung der Massenpsyche im Besonderen nähert sich Freud ebenfalls Brunos pneumatischer Interpretation des Eros. Doch Wilhelm Reich tut dies noch viel mehr. Für ihn ist die Libido nicht nur ein Prinzip, das bestimmte Gefühlsaffekte zwischen Personen beschreibt. Liebe und Eros gelten ihm als der Ausdruck einer universellen Energie, die den gesamten Kosmos durchströmt und die er als „Orgonenergie“ bezeichnet. Sie erhält in der Sexualität ihre höchste menschliche Verdichtung. „Freuds ‚Libido’ ist und kann nichts anderes sein als die Energie des Sexualtriebes.“ – schreibt Reich. (59) Er war davon überzeugt, so etwas wie eine feinstoffliche Substanz, das Orgon, entdeckt zu haben, die von den Menschen als natürliche Liebesfähigkeit erfahren wird. Das ist der Pneuma-Theorie der Stoiker und der Renaissancephilosophen doch sehr ähnlich, auch wenn diese nicht – wie Reich – den Sexualtrieb, bzw. den Orgasmus als die höchste Verdichtung des Eros ansehen. „Die seelische Gesundheit hängt von der orgastischen Potenz ab, das heißt vom Ausmaß der Hingabe- und Erlebnisfähigkeit am Höhepunkt der sexuellen Erregung im natürlichen Geschlechtsakt.“ (60)

 

Aber da der Liebestrieb, bzw. die „orgastische Potenz“, bei Reich etwas Authentisches und sehr Persönliches darstellt, kann er überhaupt nicht manipuliert werden. Deswegen ist in der Beziehung der Massenindividuen untereinander eben keine Form der Liebe wirksam, sondern das gerade Gegenteil, der Verlust von Liebe, die Unterdrückung von Eros und Sexus. Massenmenschen, die sich dem Faschismus anschließen, leiden nach Reich an einer „emotionalen Panzerung“, durch die sie die natürliche Liebe und deren Ausleben in sich zurückdrängen. Es kommt dann zu Anstauungen „bioenergetischer Energie“, die sich in gewalttätigen und destruktiven Entladungen Luft schaffen und „zu Quellen irrationaler Handlungen werden.“ (61) Erst die wachsende innere Spannung der erotisch und sexuell Unerfüllten und die plötzliche Freisetzung dieser Blockierung schaffen für einen Führer die Bedingungen, die Massen in seinem Sinne zu beeinflussen. Er kann nur Erfolg haben, „wenn seine persönliche Anschauung, seine Ideologie und sein Programm an die durchschnittliche Struktur einer breiten Schicht von Massenindividuen anklingt.“ (62) Für Le Bon, für Freud und für Reich gehen somit die Massen dem Führer voraus. Nach Brunos Theorie dagegen ist es der Führer, der die Massen sozusagen als eine Armee der Liebenden geradezu hervorbringt und dann an sich fesselt. (63)

 

Vergleich mit tantrischen Lehren

Im Gegensatz zu Wilhelm Reich empfehlen die Sexuallehren verschiedener asiatischer Religionen, den Orgasmus nicht auszuleben, sondern nach innen zurückzuziehen. Ein solche Doktrin gibt es im indischen und tibetischen Tantrismus (Vajrayana) ebenso wie im chinesischen Taoismus. Die Zurückhaltung des Spermas beim coitus reservatus soll langes Leben und ebenso spirituellen wie weltlichen Machtzuwachs bewirken.

 

Nun zeigen zwei Sätze Giordano Brunos über den „Eros als Fessel“ eine bemerkenswerte Übereinstimmung zu einer solchen Praxis. Bruno sagt: „Durch das Ausstoßen des Samens werden die Fesseln gelockert, durch die Zurückhaltung gestrafft.“ (64) Und an anderer Stelle heißt es: „Wenn dieser [der Samen] seinem Teil entsprechend ausgestoßen wird, geht daher in einem Verhältnis dazu die Kraft der Fessel zugrunde.“ (65) Diese Aussagen und noch einige ähnliche veranlassten Culianu zu einem Vergleich mit den oben erwähnten östlichen Sexuallehren: „Einige Stellen von de vinculis sind besonders interessant, denn sie scheinen darauf hinzuweisen, dass die Praxis des coitus reservatus der Bruno’schen Magie nicht fremd ist. Nun ist bekannt, dass diese Praxis den chinesischen Taoisten und den tantrischen Yogins in Indien und Tibet eigentümlich war. Es wäre überraschend zu entdecken, dass sie auch im Abendland nicht unbekannt war.“ (66)

 

Dass Culianu auf diese Übereinstimmung aufmerksam macht, ist kein Zufall. Am Institut für Religionsgeschichte der Divinity School der Universität Chikago, wo der Wissenschaftler lehrte, war die Spermagnosis der asiatischen Glaubensrichtungen ein bekanntes Thema. Der damalige berühmte Institutsleiter Mircea Eliade geht ausführlich in seinem Buch Yoga. Unsterblichkeit und Freiheit darauf ein. (67) Aber noch mehr widmete sich dessen Nachfolgerin Wendy Doniger O’Flaherty dem Sujet. Die von vielen konservativen Kollegen kritisierte Professorin, die von einem frauenkritischen Ansatz schreibt, macht die kulturgeschichtliche Bedeutung der Sperma-Retention in den indischen Religionen zu einem ihrer Hauptforschungsgebiete. Sie zeigt an Beispielen aus den Veden, den Upanishaden, dem Buddhismus, dem Hinduismus und dem Lamaismus, dass für alle diese Richtungen ein Gesetz gilt: das Ausströmen des Spermas bedeutet Schwächung und Tod, die Zurückhaltung des Spermas dagegen bedeutet Langlebigkeit , Männlichkeit und Macht. (68) Der Samen wird durch Yoga-Techniken nach innen gelenkt, und steigt dann durch die einzelnen Chakren (Energiezentren des Körpers) hindurch bis in den Kopf, wo er den Erleuchtungsgeist freisetzt. Statt ejakuliert wird „injakuliert“. (69) Auch der XIV. Dalai Lama beschreibt eine solche Praxis in den auch von ihm durchgeführten tantrischen Ritualen: „Das Sexualorgan wird zwar benutzt, aber der Fluss der Energie wird völlig beherrscht. Die Energie sollte sich niemals entladen. Sie muss kontrolliert und schließlich in andere Teile des Körpers zurückgeführt werden. Tantra-Praktizierende müssen die Fähigkeit entwickeln, ihre Anlagen zur Glückseligkeit und die Glückserfahrungen, die durch das Strömen der regenerativen Kräfte in den eigenen Energiekanälen hervorgerufen werden, zu nutzen. Entscheidend ist die Fähigkeit, sich vor dem Fehler des Samenergusses zu hüten. Da es sich nicht um einen gewöhnlichen Sexualakt handelt, kann man die Verbindung zur Enthaltsamkeit herstellen.“ (70)  

 

Genau diese Fähigkeit, Enthaltsamkeit und Sexualtrieb miteinander zu verbinden, kennzeichnet nach Bruno eine Charaktereigenschaft des Manipulators. In De Magia („Über Magie“) zählt er die drei unbedingten „Tugenden“ eines erfolgreichen Magiers auf: „Keuschheit, Reinigung und Abstinenz“. (71) Aber das reicht nicht: Ebenso wie der Tantriker muss der Manipulator dieselben Affekte und Triebe in sich entwickeln, „wie diejenigen, die er in seinem Opfer zu erwecken gedenkt, aber er muss gleichwohl darauf achten, dass die eigenen Phantasmen nicht von ihm Besitz ergreifen, und auch darauf, nie zu der Befriedigung des Begehrens gelangen zu wollen, denn andernfalls löst sich die Macht der Fessel auf.“ (72)

 

Dass Brunos „Operator“ wie ein Tantriker mit dem physischen Sperma experimentiert ist jedoch nicht notwendigerweise auf einen östlichen Einfluss zurückzuführen. Bruno kann sich dabei auf Vorstellungen des Aristoteles berufen, nach denen sich das Pneuma (die erotische Substanz) im männlichen Samen verdichten und dann zur Erhaltung der Art beitragen soll. Durch das Zurückhalten des Spermas wird wertvolles Pneuma und damit Lebenskraft im Körper gesammelt. Joan P. Culianu verweist auch auf  vergleichbare Traditionen in der europäischen Alchemie. Als Beispiel zitiert er den Alchemisten Franciscus Mercurius von Helmont (1614-98), der unter anderem davon überzeugt war, der zurückgehaltene Samen könne in rhetorische Fertigkeiten umgesetzt werden, er werde dann in der Form einer Rede ausgestoßen. (73)

 

Es gibt noch eine weitere Parallele zum Tantrismus. Bruno betont, dass der Manipulator zuerst seine Phantasmen entwickeln muss, „um sie dann zielsicher auf den phantasmatischen Apparat seine Opfers übertragen zu können.“ (74)  Trotz strikter Abstinenz soll er wollüstige Bilder hervorbringen, deren Zweck jedoch nicht in der Selbstbefriedigung besteht, sondern die Bilder sollen die Imagination des zu manipulierenden Subjekts beeinflussen..(75) Vorstellungen erotischer und sexueller Phantasmen spielen in den tantrischen Ritualen eine wichtige Rolle und der männliche Tantriker darf, ebenso wie der Manipulator, nicht die Kontrolle darüber verlieren. Es ist ihm untersagt, sich den von ihm produzierten Bildern selber hinzugeben; er bleibt nie  „verhaftet“, wie es die Buddhisten ausdrücken. In dem Buch Der Schatten des Dalai Lama – Sexualität, Magie und Politik im tibetischen Buddhismus (1999) sind wir ausführlich auf die Beziehung von Machtambitionen und tantrischen Sexualpraktiken eingegangen. Andererseits spielt das Phänomen der Samenretention auch in den monotheistischen Religionen eine Rolle, insbesondere wenn sie das Zölibat als Doktrin aufweisen.

 

Bruno und Machiavelli

Es liegt ebenfalls nahe, Brunos „psychologische Manipulation“ seiner Fesselmagie mit dem ungefähr achtzig Jahre (1513) vorher erschienen machtpolitischen Brevier zu vergleichen, das Niccolo Machiavelli (1469 – 1571) in seinem berühmten Büchlein Der Fürst aufgeschrieben hatte. „Wie blass und lachhaft“, meint Culianu, „nimmt sich heutzutage die Gestalt des machiavellischen Abenteurers und Fürsten gegen die des Psychologen und Magiers bei Bruno aus.“ (76) Die Figur des politischen Hasardeurs sei im Schwinden begriffen und heute erst entfalte sich Brunos Psychologie der Manipulation durch die große Bedeutung der Massenmedien und ihre globale Vernetzung.

 

Brunos Schrift über die Manipulation der Liebe ist wie Machiavellis Fürst völlig frei von irgendwelchen moralischen oder humanitären Skrupeln. Ihn interessiert die menschliche Würde recht wenig. „Das einzige Recht, das er ins Auge fasst, kommt weder Gott noch den Menschen, sondern nur dem Manipulator selbst zu.“  - schreibt Culianu. (77) Gemäß dem A-Moralismus des Renaissance-Menschen ist es für Bruno kein Problem, ob die Fessel einem schönen, guten oder einem hässlichen oder schlechten Zweck dient. Sie ist eine Bewusstseinstechnik jenseits von Gut und Böse: „Daher gibt es mehrere Gattungen von Fesseln als nur die, die vom Schönen ausgehen. Vielmehr gibt es auch mehrere die vom Bösen und Gewalttätigen ausgehen, die das Prinzip der Verbrechens sind.“.(78) Da die „Fessel“ nicht auf dem Konsensus zweier Liebenden beruht, welche sich gegenseitig fesseln, sondern da sie durch Täuschung des Gefesselten durchgeführt wird, bezeichnet er sie korrekt als „Raub“ (raptus) der Seele: „Der Fesselnde vereinigt keine Seele mit sich, es sei denn er raubt sie. Er raubt sie nicht, wenn er sie nicht mit sich verbunden hat.“ (79)

 

Dennoch zieht Culianu den modernen „Magierstaat“, dem modernen „Polizeistaat“ vor. Beide unterdrücken zwar die menschliche Freiheit aber der Polizeistaat unterdrückt zudem noch die „Illusion der Freiheit“ und verwandelt sich dabei in ein Gefängnis, in dem jegliche Hoffnung verloren ist. „Zu viel Subtilität und zuviel Geschmeidigkeit sind die Hauptmängel des Magier-Staates, der entarten und zu einem Zauberer-Staat werden kann; ein völliger Mangel an Subtilität und Geschmeidigkeit ist der Hauptfehler des Polizeistaates, der zu einem Kerkerstaat entartet ist.“ (80)

 

Der gleichwertige Eros entgeht der Manipulation

Für Bruno ist die Liebe (das erotische Pneuma) im weitesten Sinne der „Lebenssaft“, der die Errichtung und Aufrecherhaltung von Machtinstitutionen mit einer charismatischen Person an der Spitze erst ermöglicht. Er nimmt damit Freuds These vorweg, der auf die „Libido“ als die Bindeenergie (man könnte auch sagen „Fessel“) hinweist, die große Institutionen wie die Kirche und die Armee zusammenschweißt. Freud spricht in diesem Kontext von „künstlichen Massen“. Dort spiele die „Illusion“, dass die Leitfigur der jeweiligen Institution ihre Libido vorgeblich auf jeden einzelnen ausrichte, eine bestimmende Rolle. In den christlichen Kirchen werde zum Beispiel suggeriert, jedes einzelne Individuum werde von Christus beziehungsweise seinen Vertretern auf Erden geliebt. „Ähnliches gilt für das Heer; der Feldherr ist der Vater, der alle seine Soldaten gleich liebt.“ (81) Auch für Bruno ist die institutionalisierte Religion  ein „mächtiges Instrument der Massenmanipulation“ sei. (82)

 

In den monotheistischen Religionen wird immer wieder hervorgehoben, dass Gott die Menschen liebt, dass also die „wahre“ Liebe zwischen Mensch und Gott auf Gegenseitigkeit beruht. Für Bruno dagegen ist „Gott“ der Große Manipulator, der durch die Illusion, er liebe die Menschen, diese an sich und an seine Priester bindet. Jedenfalls gilt, dass die Liebe, so stark sie auch sein mag, manipulierbar ist, wenn sie einseitig bleibt und nicht erwidert wird. Ja - je stärker sie ist, umso leichter kann sie (durch den „Geliebten“. d. h. den „Operator“) für Machtzwecke benutzt oder „missbraucht“ werden.

 

Die „wahre“ Liebe dagegen ist keine Subjekt-Objekt-Beziehung, sondern eine Beziehung zwischen zwei Subjekten. Grundsätzlich fordert der Eros die Anerkennung des Anderen, des oder der Geliebten als „Subjekt“. Der Andere kann deswegen nicht ein „Objekt“ der Begierde, der Vereinnahmung oder des Machtmissbrauchs sein, er „wird auf dem Weg der Sympathie, als ein anderes Ich-selbst, als das alter ego erkannt.“ (Emmanuel Levinas).(83) Octavio Paz definiert die Liebe zwischen zwei Menschen als die „mysteriöse starke Zuneigung zu einem einzigen Menschen, das heißt Verwandlung des ‚erotischen Objekts’ in ein freies und einzigartiges Subjekt.“ (84) Deswegen findet die gegenseitige Liebe auch nicht ihren Höhepunkt im „Verschmelzen“ der Liebenden, sondern sie hält ihre Polarität (Dualität) und den Respekt des Anderen aufrecht, ja schützt sie als ein höchstes Gut. „Die Leidenschaftlichkeit der Liebe besteht jedoch in einer unüberwindlichen Dualität des Seienden. [...] Das Verhältnis neutralisiert nicht ipso facto die Andersheit, sondern bewahrt sie. Die Leidenschaftlichkeit der Wollust besteht darin, zu zweit zu sein.“ (Emmanuel Levinas) (85) Liebe bedeutet deswegen nicht die Aufgabe jeder Kritikfähigkeit, die das Verhältnis des Liebenden zum Manipulator kennzeichnet.


Fußnoten:

 

(1) Joan P. Culianu –  Eros und Magie in der Renaissance Frankfurt 2001, 140

(2) Z. b.  Joan P. Culianu –  Eros und Magie in der Renaissance Frankfurt 2001, 352

(3) Marsilio Ficino – Über die Liebe oder Platons Gastmahl  - (Hrg. Paul Richard Blum ) – Hamburg 2004, 243 

(4) ibid

(5) ibid 247

(6) Giordano Bruno – Über fesselnde Kräfte  in: Giordano Bruno – Ausgewählt und vorgestellt von Elisabeth von Samsonow – München 1995, 213

(7) ibid 174

(8) z. b. Joan P. Culianu  Eros und Magie in der Renaissance Frankfurt 2001, 142

(9) Giordano Bruno – Über fesselnde Kräfte  in: Giordano Bruno – Ausgewählt und vorgestellt von Elisabeth von Samsonow – München 1995, 168

 (10) ibid  213

(11) ibid  224

(12) Joan P. Culianu –  Eros und Magie in der Renaissance Frankfurt 2001, 145

(13) Giordano Bruno – Über fesselnde Kräfte  in: Giordano Bruno – Ausgewählt und vorgestellt von Elisabeth von Samsonow – München 1995, 166 - 228

(14) Joan P. Culianu –  Eros und Magie in der Renaissance Frankfurt 2001, 140

(15) Culianu sieht in diesem Renaissancedokument schon die theoretischen Grundlagen ausformuliert, die Ende 19. und Anfang des 20. Jahrhundert von Gustave Le Bon (Psychologie der Massen - 1895) und von Sigmund Freud (Massenpsychologie und Ich-Analyse – 1921) weiterentwickelt wurden.

(16) Giordano Bruno – Über fesselnde Kräfte  in: Giordano Bruno – Ausgewählt und vorgestellt von Elisabeth von Samsonow – München 1995, 180

(17) ibid 181

(18) ibid 199

(19) ibid 172

(20) ibid 171

(21) ibid 181

(22) ibid 211

(23) z. b. Joan P. Culianu –  Eros und Magie in der Renaissance Frankfurt 2001, 144

(24) ibid

(25) ibid

(26) Giordano Bruno – Über fesselnde Kräfte  in: Giordano Bruno – Ausgewählt und vorgestellt von Elisabeth von Samsonow – München 1995, 181

(27) ibid 156

(28) ibid

(29) ibid 190

(30) ibid 221

(31) Joan P. Culianu –  Eros und Magie in der Renaissance Frankfurt 2001, 157

(32) ibid 278

(33) Giordano Bruno – Über fesselnde Kräfte  in: Giordano Bruno – Ausgewählt und vorgestellt von Elisabeth von Samsonow – München 1995,  212

(34) ibid 182

(35) ibid 196

(36) ibid

(37) ibid 163

(38) ibid 164

(39) ibid 182

(40) Z. b. Joan P. Culianu –  Eros und Magie in der Renaissance Frankfurt 2001, 144

(41) ibid

(42) Giordano Bruno – Über fesselnde Kräfte  in: Giordano Bruno – Ausgewählt und vorgestellt von Elisabeth von Samsonow – München 1995, 196

(43) ibid 196

(44) ibid 183

(45) ibid 189

(46) Joan P. Culianu –  Eros und Magie in der Renaissance Frankfurt 2001, 20

(47) ibid 158

(48) Giordano Bruno – Über Magie  in: Giordano Bruno – Ausgewählt und vorgestellt von Elisabeth von Samsonow – München 1995, 158

(49) ibid  141

(50) Gustave Le Bon – Psychologie der Massen – Stuttgart 1982

(51) Sigmund Freud – Massenpsychologie und Ich-Analyse. Die Zukunft einer Illusion – Frankfurt 1993

(52) Wilhelm Reich – Massenpsychologie und Faschismus – Köln 1971

(53) José Ortega y Gasset – Der Aufstand der Massen – Stuttgart 1993

(54) Elias Canetti – Masse und Macht – Frankfurt 1980

(55) Gustave Le Bon – Psychologie der Massen – Stuttgart 1982, 17

(56) Die „Selbstauslösung“ in den Führer (Manipulator) scheint jedoch einigen Passagen bei Bruno zu widersprechen, in denen er beschreibt, wie der Manipulator vortäuscht, er liebe die ihn Liebenden in ihrer Einzigartigkeit.

(57) Gustave Le Bon – Psychologie der Massen – Stuttgart 1982, 92

(58) Sigmund Freud – Massenpsychologie und Ich-Analyse  - Gesamtwerk hrsg. v. Alexander Mitscherlich u. a., Frankfurt 1982,  108

 (59) Wilhelm Reich – Die Entdeckung des Orgons – Die Funktion des Orgasmus – Sozialökonomische Grundprobleme der biologischen Energie – Frankfurt 1976, 33

(60) ibid 15

(61) ibid

(62) Wilhelm Reich – Massenpsychologie und Faschismus – Köln 1971, 53

(63) Diese schöpferische, initiative Rolle des Manipulators wird nur von wenigen Theoretikern der Massenpsychologie hervorgehoben, einer davon ist Serge Moscivici: „Wenn ein Führer eine Menge anzieht und beeinflusst, dann tut er dies durch eine außergewöhnliche originäre Tat, aus der er ein gewisses Prestige zieht. Er fasziniert jeden von uns, der sich dazu gedrängt fühlt, in nachzuahmen. Wir alle übernehmen dieses Nachahmungsbedürfnis und verinnerlichen es. Der Führer übernimmt die Herrschaft in unserem Ich, um es schließlich ganz zu verschlingen.“ (Serge Moscivici – Das Zeitalter der Massen – Eine historische Anhandlung über die Massenpsychologie – München 1984, 218)

(64) Giordano Bruno – Über fesselnde Kräfte  in: Giordano Bruno – Ausgewählt und vorgestellt von Elisabeth von Samsonow – München 1995,  175. Auf Seite 194 lesen wir: „Die Fesseln des Cupido, die vor dem Coitus angespannt waren, werden durch einen mäßigen Ausstoß von Samen gelockert und die Feuer gemildert.“ Junge Männer, die ihren Samen gerne und häufig ausstoßen, nach Bruno leicht zu manipulieren. „Die Jünglinge und Heranwachsenden [scheinen] aus diesem Grunde sehr geil zu sein. Durch die Neuheit der Ergötzung entbrennen sie bei weitem mehr, auch weil die Wege, durch die der Samen fließt, noch eng sind und sich die Feuchtigkeit mit einem wonnigen Gefühl ergießt. [...] In den Alten aber, in denen die Kräfte schon halb tot sind und die Organe und Wege in Gestank übergegangen, fließt der Samen nicht so reichlich, und Fesseln anzulegen, wird schwieriger. […] Die Greise sind in bezug auf Fesseln so hart, wie sie dazu ungeeignet sind. Die Jungen sind unsteter und eher geeignet.“ (Giordano Bruno – Über fesselnde Kräfte  in: Giordano Bruno – Ausgewählt und vorgestellt von Elisabeth von Samsonow – München 1995, 206/207)

(65) ibid 182

(66) Joan P. Culianu –  Eros und Magie in der Renaissance Frankfurt 2001, 153

(67) Mircea Eliade - Yoga. Unsterblichkeit und Freiheit – Frankfurt 1985

(68) Wendy Doniger O’Flaherty – Women, Androgynes and Other Mythical Beasts – Chicago 1980, unter anderem die Seiten: 30, 31, 44-47, 269 – 272; In: Ŝiva - The Erotic Ascetic – Oxford u. a. 1981, 261 – 277;  siehe auch: Mircea Eliade - Yoga. Unsterblichkeit und Freiheit – Frankfurt 1985, 254

(69) Siehe zum Beispiel: C Salvesen – Der Sechste „Tibeter“ – München 2001, 105

(70) Dalai Lama XIV. – Mit dem Herzen denken – München 1997, 155 f.

(71) Giordano Bruno – Über Magie in: Giordano Bruno – Ausgewählt und vorgestellt von Elisabeth von Samsonow – München 1995, 157

(72) Joan P. Culianu –  Eros und Magie in der Renaissance Frankfurt 2001, 155

(73) ibid 156

(74) ibid 155

(75) ibid 156

(76) Joan P. Culianu –  Eros und Magie in der Renaissance Frankfurt 2001, 140

(77) ibid

(78) Giordano Bruno – Über fesselnde Kräfte  in: Giordano Bruno – Ausgewählt und vorgestellt von Elisabeth von Samsonow – München 1995, 182

(79) ibid 199

(80) Joan P. Culianu –  Eros und Magie in der Renaissance Frankfurt 2001, 161

(81) Sigmund Freud – Massenpsychologie und Ich-Analyse  - Gesamtwerk hrsg. v. Alexander Mitscherlich u. a., Frankfurt 1982,  83, 85 und 88 ff.

(82) Joan P. Culianu –  Eros und Magie in der Renaissance Frankfurt 2001, 140

(83) Emmanuel Lévinas – Die Zeit und der Andere – Hamburg  2003, 55

(84) Octavio Paz – Die doppelt Flammen – Liebe und Erotik – Frankfurt 1995, 43 „Durch die Verwandlung des erotischen Objekts in eine Person wird es unmittelbar zu einem Subjekt mit freiem Willen. Das Objekt, das ich begehre, wird zum Subjekt, das mich begehrt oder das mich zurückweist.“ (ibid 149)

(85)Emmanuel Lévinas – Die Zeit und der Andere – Hamburg  2003, 57

 

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