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Nazi-Tibet-Connection


Buddha-Statue aus Meteorit Gestein entdeckt

Ein Vermächtnis der SS-Tibetexpedition

 

Der internationale Medienrummel um eine Buddha-Statue, die von der SS-Tibetexpedition 1939 nach Berlin gebracht wurde und dann später in Wien auftauchte, gibt Anlass, erneut die Nazi-Tibet-Connection in die Debatte zu bringen. Es soll sich um ein tausend Jahre altes Artefakt aus Ataxit handeln, ein Mineral, aus dem nur sehr wenige Meteoriten bestehen. Nach Angaben des interdisziplinären Forscherteams ist es die einzige Darstellung einer menschlichen Figur, die aus Meteoritengestein geschnitzt wurde. Auf der Brust trägt die Statue eine Swastika, wenn auch seitenverkehrt zum Hakenkreuz der Nationalsozialisten.

 

 

Der okkulten Spekulation um die Nazi-Tibet-Expedition unter Ernst Schäfer und unter der Schutzherrschaft Heinrich Himmlers (1939) werden nach der Entdeckung wieder Tor und Tür geöffnet. Dazu tragen die Wissenschaftler selber durch ihre mystifizierende Rhetorik bei: „Sie hat einen extraterrestrischen Ursprung,“ –  berichtet Theo Ntaflos von der Lithosphärenforschung der Universität Wien über den Ataxit-Buddha – „und die, die die Statue gemacht haben, haben gewusst, wie wertvoll das Material war, sie haben die Statue vergoldet.“ Diese „Expertise“ suggeriert, dass das Kunstobjekt aus einer außerirdischen Sphäre stammen könnte. Es heißt nicht. „das Material, aus dem die Statue besteht, ist astronomischen Ursprungs“, sondern „sie“, die Statue, „hat einen extraterrestrischen Ursprung.“ Die österreichische Zeitung Die Presse titelt denn auch unter der Rubrik Science frisch-fröhlich darauf los: „Buddha mit extraterrestrischem Ursprung und Nazi-Geschichte“. Beziehungen zu Außerirdischen sind für Nazi-Okkultisten und Tibet-Esoteriker immer schon ein Königsthema gewesen.

 

Man weiß bisher nicht sicher, welche Buddha-Gestalt oder welche Gottheit das Objekt darstellt. Es wird deswegen „Eisenmann“ genannt. Möglicherweise soll es den buddhistischen Gott Vaisravana (in Tibetisch: Jambhala) darstellen, „der sowohl Reichtum als auch Krieg repräsentieren kann“, steht in der Presse. Vaisravana gilt als „Hüter des Nordens“, ist eine buddhistische Variante des indischen Reichtumsgottes Kubera und wird nur am Rande mit dem Krieg in Beziehung gebracht. Der tibetische Buddhismus hat zwar zahlreiche kriegerische Aspekte und auch eine kriegerische Geschichte, aber seine problematische Hauptausrichtung liegt, wie wir es ausdrücken würden, in seinen „manipulierenden“ Bewusstseinstechniken. Die Nazis dagegen waren vor allem an der kriegerischen Seite der Lama-Kultur, die sie als ein Reservat alt-arischen Wissens ansahen, interessiert.

 

Das zeigt sich besonders deutlich in Ernst Schäfers Erfolgsfilm Geheimnis Tibet, der während des Zweiten Weltkrieges gezeigt wurde und der die Deutschen in Kampfstimmung bringen sollte. Er beginnt mit den militanten Aspekten des Lamaismus und endet mit diesen. Schon zu Anfang wird der Zuschauer durch den „Kriegstanz“ des blutrünstigen Schutzgottes Mahakala, des „furchtbaren Herrn des Todes und des Schreckens“ in die rechte, aufgeputschte  Stimmung versetzt. Alles endet  mit einer Militärparade der tibetischen Armee begleitet von der metallenen Stimme eines Kommentators: „Scharfe Waffen! – meldet der erste. – Gute Sättel! – meldet der Zweite. – Schnelle Pferde! – der Dritte – Tapfere Krieger! – So reiten sie wieder dahin, woher sie gekommen – hinaus auf die Steppen und Öden.“

 

Die Gefahr besteht, dass sich um den Ataxit-Buddha ein idolatrischer Kult bildet. In den Medien wird die religiöse Verehrung des Meteoriten-Objekts hemmungslos vorbereitet. „Solche Himmelsgaben genossen in allen Kulturen Verehrung, der ‚Stein von Delphi’ war vermutlich ein Meteorit, der in der Kaaba von Mekka ist wohl auch einer. Man hat auch Gebrauchsgegenstände aus dem ‚Himmelseisen’ – so heißt es in Tibet: namchag.“ – schreibt Die Presse. Auch der „säkulare“ deutsche Spiegel, bekannt für seine kritiklose Dalai Lama Verehrung, schwärmt: „Meteoriten galten in vielen Kulturen als himmlische Zeichen. An einigen Stellen wurden derartige Gesteinsbrocken als heilig verehrt - etwa von Indianern in Nordamerika oder den Aborigines in Australien, wie die Forscher berichten. Messer und andere Objekte aus Meteoritengestein, etwa Vogel-Figuren, finden sich daher an verschiedensten Orten. Nur die Darstellung einer menschlichen Figur sei bisher einzigartig.“ Es wäre da wirklich wünschenswert, dass es sich, wie ein Experte äußerte, bei der Statue um eine Fälschung handelt.

 

Ausführlich haben wir in unseren Buch  Buch „Hitler-Buddha-Krishna – Eine unheilige Allianz vom Dritten Reich bis heute“ (Wien 2002 – Ueberreuter Verlag) über das Interesse der Nazis am Buddhismus im Allgemeinen und tibetischen Buddhismus im Besonderen berichtet. Das Kapitel über die SS-Tibetexpedition, über deren ideologischen Hintergründe und über die Reaktion der tibetischen Lamas und des XIV. Dalai Lama auf die Nazi-Tibet-Connection haben wir jetzt ins Netz gestellt.

 

Deutsche Hakenkreuze im Himalaja  Die SS-Tibetexpedition und ihre Protagonisten in 9 Kapiteln

 

Kapitel 1

Sven Hedin (1865 – 1952) – Tibetforscher, Hitlerfreund und Vorbild für die NS-Jugend – "Seinem Temperament nach ein Nazi"

 

Kapitel 2

Ernst Schäfer (1910-1992) – Tibetexperte der SS – Grundlagen einer nationalsozialistischen Naturwissenschaft

 

Kapitel 3

Ernst Schäfer und Tibets Regent Reting Rinpoche: "Treffen des westlichen und östlichen Hakenkreuzes in Freundschaft und Frieden"

 

Kapitel 4

Bruno Beger  – Rassenspezialist der SS-Tibetexpedition – zwischen Tibet und Auschwitz

 

Kapitel 5

Die archaische Kultur des Lamaismus fasziniert die Mitglieder der SS-Tibetexpedition  

 

Kapitel 6

Der SS-Film Geheimnis Tibet – "Die furchtbar geschundenen Herren des Leichenfeldes"

 

Kapitel 7

Einsatz der Tibetologen für den Nachweis einer verschollenen ur-arischen Hochkultur in Tibet

 

Kapitel 8

Der SS-Mann und Bergsteiger Heinrich Harrer - Mentor des XIV. Dalai Lama

 

Kapitel 9

Peinliche Freundschaften des XIV. Dalai Lama zu den SS-Männern

 

© Victor & Victoria Trimondi